Geschichte von Melbourne

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Inhaltsverzeichnis

Wie in anderen australischen Städten ist die Geschichte Melbourne relativ kurz, aber bewegt. Schneller Aufschwung und rasantes Bevölkerungswachstum begleiten die Stadt ebenso durch ihre Entwicklung wie die anfangs absolut entscheidenden Einflüsse der verschiedenen Gouverneure.

Die Frühgeschichte der Gegend des heutigen Melbourne liegt weitgehend im Dunkel. Vor der Ankunft der ersten europäischen Siedler wurde das Land von verschiedenen Sippen der Aborigines, der australischen Ureinwohner, bewohnt.

Daher ist über diese Zeit auch nicht viel bekannt. Zwar haben die Aborigines verschiedene kultische Kunstwerke hinterlassen und besitzen auch einen lebendigen Ahnenmythos, doch sind dies keine Quellen, aus denen sich gesicherte historische Informationen ziehen lassen.

Die Gründung Melbournes

Wie in Amerika und auch in anderen Teilen Australiens geht die Gründung Melbournes im Grunde genommen auf einen Betrug zurück.

1835, rund 50 Jahre nach der Ankunft der First Fleet in Australien, tätigte ein Mann namens John Batman ein spektakuläres Geschäft mit den Aborigines, welche auf dem Gebiet des heutigen Melbourne lebten. Für ein paar Gebrauchsgegenstände und größtenteils wertlose Schmuckstücke, die zusammen nicht einmal 200 britische Pfund gekostet hätten, erwarb John Batman rund 240.000 Hektar Land.

Kaum hatten die Aborigines, die sich über die Art des Geschäfts und seinen wirklichen Umfang überhaupt nicht im Klaren waren, den Kaufvertrag unterzeichnet, wurde Salut geschossen, und in rascher Folge wurde die Gründung einer Siedlung vorangetrieben.

Den Namen „Melbourne“ erhielt das damals kaum Stadt zu nennende Dörfchen nach dem britischen Premierminister William Lamb, der den Titel „Viscount of Melbourne“ trug.

In den ersten Jahren ihres Bestehens wurde die Entwicklung Melbournes durch verschiedene glückliche Umstände auf die ein oder andere Art vorangetrieben.

So war es zum einen eine große Zahl von finanzkräftigen Siedlern aus England, die die Chance zu einem neuen Leben auf einem neuen Kontinent nutzen wollten und daher bereit waren, in der „neuen Welt“ ihr Schicksal in die Waagschale zu werfen.

Es gab aber auch einen regen Zustrom von Menschen, die aus etwas näheren Teilen der Welt kamen. So waren viele Menschen aus Tasmanien unter den Siedlern, die in der Frühzeit der Stadt nach Melbourne kamen. Tasmanien war zwar ebenfalls noch nicht allzu lange von Europäern besiedelt, doch hatte es sich bald als zu eng herausgestellt, und die Menschen wollten nach der Gründung Melbournes die willkommene Gelegenheit nutzen, auf dem freien, sattgrünen Weideland der neuen Siedlung ihr Glück zu versuchen.

Günstig war aber auch die Lage Melbournes: nicht nur handelte es sich bei dem Ackerland (welches ja in der Frühzeit der Kolonie einer der wichtigsten Faktoren für die wirtschaftliche Entwicklung war) um einen Boden von vorzüglicher Qualität, auch die Lage am Ufer des Yarra River und die geschützte Port Phillip Bay waren Faktoren, die zur günstigen Entwicklung Melbourne beitrugen.

In wenigen Jahren wuchs die Bevölkerungszahl der Siedlung auf rund 5.000 an, und als sich ungefähr bei dieser Marke herausstellte, dass diese rasante Entwicklung wohl noch eine Weile weiter gehen würde, wurde ein Städteplaner beauftragt. Es hatte sich in der Vergangenheit bei einigen Siedlungen erwiesen, dass ein unkontrollierter Wildwuchs später zu großen Problemen führen konnte, da auf diese Art und Weise einerseits der Raum nicht gut genutzt wurde und die Infrastruktur mangelhaft blieb.

Melbourne wurde in einem schachbrettartigen Muster angelegt, in dem es Hauptstraßen mit 99 Fuß Breite und Nebenstraßen mit einer Breite von 33 Fuß gab.

Der Goldrausch und die Weltausstellung

Nachdem die ehemalige Blockhaussiedlung Melbourne in relativ kurzer Zeit eindeutig urbanen Charakter gewonnen hatte, wurde sie 1851 zur Hauptstadt der Kolonie Victoria ernannt, die kurz zuvor ihre Unabhängigkeit gewonnen hatte.

Doch damit sollte das schnelle Wachstum in Melbourne noch lange kein Ende finden.

Vier Tage nach der Ernennung zur Hauptstadt Victorias stießen Arbeiter im Hinterland der Stadt auf ergiebige Goldfunde, ein Umstand, der das Wachstum nur noch mehr ankurbeln sollte.

Wie in vielen anderen Teilen des Landes nahm der Goldrausch teilweise beängstigende Ausmaße an, da Glück und Unglück beim Schürfen so nah beieinander lagen und damit auch großer Neid an der Tagesordnung war.

Insgesamt kann man aber sagen, dass trotz einiger Unregelmäßigkeiten und verschiedener Zwischenfälle der Goldrausch für die Stadt eine Menge positive Auswirkungen hatte. Anders als in manchen kleinen Goldgräbersiedlungen, welche nach wenigen Jahren mehr oder weniger ertragreicher Arbeit dem Untergang und dem Verfall gewidmet waren, profitierte Melbourne einerseits durch die wachsende Zahl der Siedler und andererseits in weiten Teilen auch vom Goldgräbergeschäft selbst. Die Versorgung der Schürfer und Arbeiter war nämlich etwas, was in der Stadt sichergestellt werden musste, und durch die positive Erfüllung der Konsumbedürfnisse der Goldgräber wurde die Wirtschaft nicht nur durch die Goldfunde selbst, sondern auch durch ihre äußeren Umstände angekurbelt.

In wenigen Jahren entwickelte sich die zuvor noch zwar im Aufschwung begriffene, aber dennoch kleine Siedlung zu einer wahren Wirtschaftsmetropole mit rund einer halben Million Einwohner.

All diese Entwicklungen hatten sich in der gerade einmal 16-jährigen Geschichte der Stadt auf eine äußerst beeindruckende Art und Weise vollzogen.

1880 reisten Besucher aus aller Welt in das junge Melbourne, da in dieser aufstrebenden Stadt die Weltausstellung ausgerichtet wurde.

In dieser Zeit kam Melbourne auch zu seinem Spitznamen, einem nämlich, der das beeindruckende Wachstum und den rapiden Aufschwung der Stadt in nur zwei Worten ausdrückt. „Marvellous Melbourne“ nannten viele Bewohner der Weltausstellung diese junge Stadt, die sich schon zu diesem Zeitpunkt zu einer Metropole von Weltrang entwickelt hatte.

Das Melbourne, welches sich im Glanz der Weltausstellung zeigte, war weitläufig angelegt, durchzogen von einer großen Anzahl von Prunkbauten, welche noch heute im Zentrum der Stadt in einer beeindruckenden Konzentration zu finden sind.

Handelszentrum und Bundeshauptstadt

Der Aufschwung der Stadt schien allerdings überhaupt nicht mehr abzureißen. Nachdem Melbourne auch noch den schmückenden Beinamen „Grande Dame of the South“ erhalten hatte, war der Weg nicht mehr weit bis zu einem Handelszentrum von Weltrang. Exzellente Verbindungen in alle möglichen Teile der Welt erlaubten es nicht nur, Güter günstig von Melbourne aus nach Übersee zu verschiffen, sondern sicherten durch den Hafen der Stadt auch die Versorgung Australiens und Victorias mit europäischen Gütern. So floss das Geld in Melbourne weiterhin in Strömen, und eine Reihe von prunkvollen Villen, Theatern und Herrenhäusern entstand, welche noch heute als so manches Schmuckstück in der Stadt erhalten sind.

Theater und Konzerthallen begünstigten einen Aufschwung des Kulturbetriebs, und Melbourne hatte bald den Ruf, nicht nur eine wahre Metropole des Wohlstands, sondern auch der Kultur zu sein.

Allerorts sprach man von der Stadt als der „Kulturmetropole des Kontinents“, ein Umstand, der das Leben in der Stadt für so manchen neuen Siedler sicherlich noch weitaus interessanter machte.

Nachdem Melbourne 1901 auch noch in den Rang einer Bundeshauptstadt aufstieg, war es ganz klar, dass die vor knapp siebzig Jahren gegründete Blockhüttensiedlung dem Kontinent ihren Stempel aufgedrückt hatte.

Melbourne war zwar nur für 26 Jahre Bundeshauptstadt (1927 trat die Stadt den Titel an Canberra ab), doch die rasante Aufwärtsentwicklung der Stadt ließ sich von Titeln ebenso wenig beeindrucken wie von deren Verlust.

1933 zählte Melbourne eine Million Einwohner, eine Zahl, die nicht nur für damalige Verhältnisse schon überaus stattlich war.

Ein zweiter Boom, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs einsetzte, führte zu einem Anstieg des Zuwachses – die Ebene um den Yarra River wurde langsam zu klein, die rund drei Millionen Menschen aus 140 verschiedenen Nationen drängten in alle Richtungen in der Stadt, was zum Bau und zur Entwicklung verschiedener Trabantenstädte führte.

Der zeitweilige Ruf als „moralischste“ Stadt des Kontinents, den ein amerikanischer Prediger Melbourne eingebracht hatte, litt in dieser Zeit ein wenig (kein Wunder, da Melbourne Siedler aus allen Teilen der Welt aufnahm und ihnen ein neues Zuhause gab). Melbourne ist nach Athen die Stadt mit den meisten griechischstämmigen Einwohnern der Welt, und in der Stadt gehen verschiedene Gerüchte von Hochhäusern um, in denen die Menschen sich überhaupt nicht verständigen können, weil jeder eine andere Sprache spricht (interessanterweise ist es wohl immerhin war, dass in manchen Häusern Menschen mit mehr als 40 verschiedenen Muttersprachen leben).

Working City

Der stete Zufluss an neuen Einwanderern verhinderte auch nur einen Moment der Stagnation in Melbourne. Die Zuwanderer waren bereit zu arbeiten, und Melbourne war in der Lage, ihnen Arbeit zu geben, was nicht nur zu relativ guten Beschäftigungsquoten in der Vergangenheit führte, sondern auch die Entwicklung der Stadt weiterhin positiv beeinflusste. Die funktionierende Arbeitsmaschinerie tat ihr Werk, und so gesellten sich bald nach den viktorianischen Villen die Prunkbauten des 20. Jahrhunderts zum Stadtbild.

Immer mehr schimmernde Glastürme schoben sich nach oben in die Skyline der „Working City“, eine Tatsache, die in Melbourne ein interessantes architektonisches Kontrastprogramm schafft.

Die von mehr Auf- und Abschwung durchzogene Geschichte Sydneys führte dazu, dass sich Melbourne in vielen Bereichen über lange Zeit an der Landesspitze halten konnte. Doch in der jüngsten Vergangenheit hat es die Hauptstadt Australiens mehr und mehr geschafft, Melbourne, die große Dame des Südens, von Platz eins zu verdrängen.

Der Titel „Manhattan des Südpazifiks“, für welchen Melbourne einige Zeit in Betracht gezogen wurde, ging schließlich ebenso an Sydney wie die Konzentration der wirtschaftlichen und finanziellen Macht.

Sydney und Melbourne stehen nun in einem Verhältnis als Erzrivalen, und die Tatsache, dass die Hauptstadt sich in vielen Belangen als der Sieger dieses Duells behauptet hat, ist für viele patriotische Melbournians eine richtige Katastrophe.

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