Kunst und Mythen der Aborigines

Kunst und Mythen der Aborigines

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Nicht nur der Name „ab origine“ deutet darauf hin, dass die Ureinwohner schon immer mit dem australischen Kontinent verbunden waren. Auch wenn archäologische Funde die Besiedlung Australiens erst auf die Zeit vor rund     50.000 Jahren datieren, sind die Aborigines der Überzeugung, auf besondere Art und Weise mit dem Kontinent verbunden zu sein. Dies ist sicherlich begründet in der Tatsache, dass bei allen regionalen Unterschieden dennoch zwischen den Stämmen eine bestimmte Verbundenheit zu finden ist. Außerdem war Australien bis zur Ankunft der europäischen Siedler so weit und leer, dass der Gedanken, die Aborigines wären als Hüter des Landes eingesetzt, gar nicht so abwegig klingt.

Diese beinahe übersinnliche Verbundenheit drückt sich besonders in den Vorstellungen von der „Traumzeit“ aus.

Während dieses legendären Zeitalters entstiegen die Vorfahren der Aborigines der Nacht, um die Erde zu formen; natürlich beschreiben die Mythen dabei besonders die Formung des Landes der Aborigines. Die Legenden der Traumzeit beschreiben die abenteuerlichen Reisen der mythischen Wesen, die der Welt in diesen Tagen ihren Stempel aufdrückten.

Die Geschichten und Legenden der Traumzeit wurden im Glauben der Aborigines seit diesen Tagen durch Musik, Erzählung und Tanz von Generation zu Generation weitergegeben, so dass die Bräuche, die sich durch diesen Glauben herausgebildet haben, bis heute überliefert sind.

Die Stämme der Aborigines sehen „ihr“ Land als das Zentrum der Welt und den Mittelpunkt des Universums. Vorfahren und die Geister der Urzeit haben den nachfolgenden Generationen den Auftrag gegeben, dass Land in ihrem Sinne zu verwalten, und traditionsbewusst lebende Aborigines versuchen noch heute, diesem Auftrag nachzukommen.

Der Geisterglauben der Ureinwohner impliziert auch den Glauben an Zauberei und Magie. Aborigines verwenden Zauber dazu, mehr Nahrung oder Wasser zu finden, Kranke zu heilen oder Kriminelle zu bestrafen. Spektakuläre Berichte gibt es von einem Zauber, der „Pointing the Bone“ genannt wurde (zumindest in der englischen Übersetzung des Aborigine-Wortes). Der Schamane des Stammes richtet bei diesem Zauber einen Knochen auf einen zu Bestrafenden, der daraufhin scheinbar von diesem Knochen durchbohrt wird. Verschiedene Berichte wollen davon zeugen, dass dieser Zauber wirklich oft mit dem Tod des Opfers zu enden scheint.

Die Gesetze und die Spiritualität der Aborigines haben in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass Straftäter aus den Reihen der Stämme trotz einer Strafe nach australischem Gesetz auch noch der Stammesstrafe unterzogen wurden. Zwar versuchten die Europäer dies zuerst zu bekämpfen, ließen dann aber in ihren Bemühungen nach. Heute, nachdem verschiedene Bewegungen eines Besserstellung der Aborigines gefordert haben und die Rückkehr zur traditionellen Lebensweise durch Unterstützung durch die australische Regierung leichter wird, tolerieren die Gerichte in Australien solches Vorgehen und setzen Aborigines sogar teilweise milderen Strafen aus, weil sie die Bestrafung durch das „tribal law“ noch mit einbeziehen.

Auch die Kunst der Aborigines ist Ausdruck dieser Verbindung zur Traumzeit und zu den Wesen, die in dieser Zeit die Welt bevölkerten. Schnitzereien, Gravuren und Bemalungen sind typisch für die Ureinwohner Australiens, wobei beliebte Objekte für diese Künste Waffen, Rindengefäße und sogenannte Seelenhölzer sind. Andere Kultobjekte werden oft mit Darstellungen von Figuren oder geometrischen Mustern versehen, Dingen, die teilweise ebenfalls Dinge aus der Traumzeit darstellen.

Beliebte Motive dieser Kunst sind Tiere, Geister und Jagdszenen, drei Bereiche, die das Leben der Aboriginies auf entscheidende Weise prägten.

Neben kleineren kultischen Objekten und Werkzeugen und Waffen sind auch Höhlen und Wände beliebte Untergründe für die Kunst der Aborigines. Die Felsmalereien, die Urzeitwesen und –geister darstellen oder auch Wesenheiten, die von den Aborigines als göttliche Prinzipien verehrt werden, darstellen, werden teilweise jährlich rituell erneuert. Oft sind diese Motive in Form von Felsgravuren dargestellt, die eine Vorstufe zur Malerei darstellen, doch ist auch die „echte“ Malerei mit Ockererde, Kohlestaub oder Tonerde   „typisch aboriginal“.

Doch nicht nur die bildende oder darstellende Kunst ist für die Ureinwohner des Kontinents wichtig. Gefühle und Erlebnisse werden bei den Aborigines oft durch Musik, Tanz und Geschichten ausgedrückt. Auch die Legenden und Geschichten der Traumzeit werden – wie bei vorschriftlichen Kulturen – nur auf diesem Wege weitergegeben. Die Gedächtnisleistungen, die die spirituellen Führer der Aborigines dabei erbringen, sind beeindruckend – der Vortrag eines Schamanen über die Traumzeit kann sich über eine lange Weile erstrecken. Allerdings haben die rapiden und dramatischen Veränderungen der Umwelt auch ihre Spuren im kollektiven Unterbewusstsein der Aborigines hinterlassen – viele Geschichten gingen in den letzten Jahrhunderten verloren, und die Traditionen der schamanischen Ausbildung können heute nicht mehr in der Form gepflegt werden, wie dies noch vor der europäischen Besiedlung der Fall war.

Dennoch ist die musikalische Kultur der Aborigines lebendig – das Didjeridu hat in den letzten Jahrzehnten seinen Weg zur weltweiten Beliebtheit gefunden, und wer dieses Instrument einmal gehört hat, kann sich sicher vorstellen, wie es den Weg in die Traumzeit für die Schamanen erleichtern kann.

Diese Musikinstrumente sind folgendermaßen zu beschreiben: es handelt sich um ein bis zwei Meter lange Rohre aus Eukalyptusstämmen, deren Rinde abgeschält wurde. Didgeridoos sind üblicherweise mit Malereien verziert. Töne werden bei diesem Instrument nur durch Variation der Lippenbewegungen verändert. Zu diesem bekanntesten Instrument werden Klanghölzer aneinander geschlagen, während Schwirrhölzer über dem Kopf gewirbelt werden. Das Ergebnis ist ein monotones, für europäische Ohren bedrückendes Klangerlebnis, dem man seine Faszination jedoch sicher nicht absprechen kann.

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